Am Strand

Wattwandern auf Sylt: Wo, wann und mit wem

Zweimal am Tag zieht sich auf der Ostseite von Sylt das Meer zurück und gibt den Boden frei. Dann kannst du dort laufen, wo ein paar Stunden vorher noch Boote fahren: Wattwandern gehört zu den eindrucksvollsten Dingen, die man auf der Insel machen kann. Damit es ein gutes Erlebnis bleibt, solltest du ein paar Dinge wissen.

Wo liegt das Watt auf Sylt?

Das Watt liegt auf der Ostseite der Insel, zum Festland hin. Die Westküste ist offene Nordsee mit Brandung – dort gibt es kein Watt. Typische Ausgangspunkte für Wattwanderungen sind Morsum, Keitum, Munkmarsch, Rantum, Hörnum und List.

Der Boden ist nicht überall gleich: Auf der Ostseite rund um Keitum und Morsum findest du viel weiches Schlick- und Mischwatt, in dem du auch mal knöcheltief einsinkst. Im Süden bei Hörnum und im Norden bei List ist das Watt sandiger und fester.

Das gesamte Watt rund um Sylt gehört zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, der zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer gehört. In bestimmten Bereichen gelten deshalb Regeln, zum Beispiel Ruhezonen für Vögel und Seehunde.

Wann ist die beste Zeit zum Wattwandern?

Rund um Niedrigwasser. Geführte Wanderungen starten meist ein bis zwei Stunden vorher, damit genug Zeit bleibt, bevor die Flut zurückkommt.

Ganz wichtig: Nimm die Gezeiten für die Ostseite, nicht die von Westerland. Das Niedrigwasser kommt in Munkmarsch im Mittel rund zwei Stunden später als an der Westküste. Wer sich nach den Westerland-Zeiten richtet, liegt komplett daneben. Die genauen Unterschiede stehen im Artikel Warum die Flut nicht überall auf Sylt gleichzeitig kommt.

Außerdem gut zu wissen:

  • Bei Springtide fällt das Watt weiter trocken, die Flut kommt aber auch schneller und höher zurück.
  • Ostwind drückt Wasser aus dem Watt heraus, dann ist mehr Boden frei. Westwind hält Wasser im Watt – dann kann es deutlich nasser sein, als die Gezeitentabelle vermuten lässt.
  • Im Sommer ist das Watt angenehm warm, im Frühjahr und Herbst ist es oft kalt und schlickig. Barfuß geht trotzdem fast immer – viele Wattführer empfehlen es sogar.

Warum nur mit Führung?

Das Watt sieht harmlos aus. Es ist es nicht. Die drei größten Gefahren:

  1. Priele. Das sind Rinnen im Watt, durch die das Wasser zu- und abläuft. Bei Flut füllen sie sich zuerst – lange bevor das Wasser um dich herum steigt. Ein Priel, den du auf dem Hinweg trockenen Fußes überquert hast, kann auf dem Rückweg hüfttief sein und kräftig strömen.
  2. Nebel. Über dem Watt zieht Nebel manchmal innerhalb von Minuten auf. Dann siehst du die Küste nicht mehr – und im flachen Watt sieht jede Richtung gleich aus.
  3. Die Zeit. Das Wasser steigt in der Mitte der Flut am schnellsten. Wer zu spät umkehrt, hat kaum Spielraum.

Ortskundige Wattführerinnen und Wattführer kennen die Priele, wissen, wann umgekehrt werden muss, und erklären dir nebenbei, was da alles im Schlick lebt. Auf Sylt bieten zum Beispiel die Schutzstation Wattenmeer (mit Stationen unter anderem in Morsum, Keitum, Rantum und Hörnum) und weitere Anbieter geführte Wattwanderungen an. Aktuelle Termine erfährst du direkt bei den Anbietern oder in den Tourist-Informationen der Orte.

Was nehme ich mit?

  • Kleidung für jedes Wetter – am Wasser ist es oft windiger und kühler als im Ort
  • Sonnenschutz, auch bei Wolken
  • Etwas zu trinken
  • Ein Handtuch für die Füße danach
  • Wer nicht barfuß gehen mag: alte Turnschuhe oder Neoprenschuhe, die fest am Fuß sitzen. Gummistiefel bleiben gern im Schlick stecken.

Was gibt es im Watt zu entdecken?

Das Watt gehört zu den produktivsten Lebensräumen der Welt. Auf einem Quadratmeter leben zahllose Würmer, Muscheln, Schnecken und Krebse. Die kleinen Sandhäufchen, die du überall siehst, stammen vom Wattwurm. Mit etwas Glück siehst du Strandkrabben, Herzmuscheln und Wattschnecken – und über dir riesige Vogelschwärme, die hier auf ihrem Zug zwischen Arktis und Afrika Rast machen.

Kurz zusammengefasst

  • Watt gibt es auf der Ostseite von Sylt.
  • Beste Zeit: rund um Niedrigwasser – mit den Zeiten der Ostseite, z. B. Munkmarsch.
  • Priele, Nebel und die Zeit sind die größten Gefahren.
  • Am besten mit einer geführten Wattwanderung.

Quellen