Geschichte
Eidum: Das Dorf, das im Meer versank – und wie Westerland entstand
Dort, wo heute die Brandung vor Westerland rollt, stand einmal ein Dorf mit Kirche. Seine Geschichte erklärt, warum Westerland heute dort liegt, wo es liegt.
Wer heute an der Promenade von Westerland steht und aufs Meer schaut, blickt auf eine verschwundene Welt. Einige hundert Meter westlich der heutigen Küste lag einst das Dorf Eidum – mit Häusern, Feldern und einer Kirche. Das Meer hat es sich geholt. Und aus den Menschen, die damals flohen, ist eine Stadt hervorgegangen, die heute jeder kennt.
Ein Dorf an der Westküste
Über Eidum ist weniger bekannt, als man sich wünschen würde. Die Quellen sind spärlich, vieles stammt aus späteren Chroniken und der Sylter Heimatgeschichte. Der Überlieferung nach lag das Dorf westlich des heutigen Westerland auf Land, das inzwischen längst im Meer liegt. Die Westküste von Sylt ist über die Jahrhunderte Stück für Stück nach Osten gewandert – Sturmfluten und Brandung haben immer wieder Land abgetragen.
Schon um 1300 soll eine Sturmflut die Kirche von Eidum zerstört haben. Das Dorf bestand aber weiter.
Die Allerheiligenflut 1436
Am 1. November 1436, an Allerheiligen, traf eine schwere Sturmflut die Küste Nordfrieslands. Eidum wurde dabei so schwer getroffen, dass die Überlebenden das Dorf aufgaben. Sie zogen gut zwei Kilometer nach Osten, auf den höheren Geestrücken bei Tinnum, und gründeten dort eine neue Siedlung.
Diese Siedlung hieß zunächst Südhedig. Aus ihr entstand im Lauf der Zeit das Dorf Westerland – der Name geht vermutlich auf eine alte Flurbezeichnung zurück: das Land westlich von Tinnum.
Kirche gegen Düne
Auch danach hatten es die Menschen nicht leicht. Eine spätere Kirche südwestlich des heutigen Westerland musste um 1634/35 aufgegeben werden – diesmal nicht wegen einer Flut, sondern wegen Wanderdünen, die den Bau unter sich zu begraben drohten. Der Nachfolgebau entstand 1637 weiter östlich.
Sand und Wasser – das sind auf Sylt seit jeher die beiden Kräfte, mit denen die Menschen leben müssen.
Spuren im Watt
Einem Bericht aus dem 19. Jahrhundert zufolge sollen bei einem außergewöhnlich niedrigen Wasserstand im Jahr 1806 noch Reste des alten Eidum auf dem Meeresboden zu sehen gewesen sein. Heute ist davon nichts mehr erkennbar – das Gebiet liegt unter Wasser und Sand, und die Küste ist seitdem weiter zurückgewichen.
Was Eidum mit dem Küstenschutz von heute zu tun hat
Eidum ist ein gutes Beispiel dafür, was ohne Küstenschutz passiert: Die Westküste von Sylt wandert. Früher blieb den Menschen nur, ihre Häuser aufzugeben und weiter landeinwärts neu anzufangen. Heute wird stattdessen jedes Jahr Sand aufgespült, um die Küste an ihrem Platz zu halten – rund 1,2 Millionen Kubikmeter verliert die Insel im Schnitt pro Jahr. Mehr dazu im Artikel Sylt verliert Sand.
Kurz zusammengefasst
- Eidum lag einige hundert Meter westlich der heutigen Westerländer Küste.
- Nach der Allerheiligenflut 1436 gaben die Bewohner das Dorf auf.
- Ihre neue Siedlung weiter östlich wurde zum Ursprung von Westerland.
- Die Geschichte zeigt, wie weit sich die Westküste von Sylt über die Jahrhunderte verschoben hat.