Sturmflut & Küste

Sturmflut auf Sylt: Wann das Meer zur Gefahr wird

Normalerweise steigt das Wasser auf Sylt bei Flut um knapp zwei Meter und fällt dann wieder. Bei einer Sturmflut kommt noch einiges obendrauf: Der Sturm drückt so viel Wasser gegen die Küste, dass das Hochwasser Meter über dem Normalen aufläuft. Für die Insel sind das die gefährlichsten Stunden des Jahres.

Ab wann ist es eine Sturmflut?

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) teilt Sturmfluten an der Nordsee nach ihrer Höhe über dem mittleren Hochwasser (MHW) ein:

EinstufungHochwasser höher als normal um
Sturmflut1,5 bis 2,5 m
Schwere Sturmflut2,5 bis 3,5 m
Sehr schwere Sturmflutmehr als 3,5 m

Am Pegel List-Hafen liegt das mittlere Hochwasser bei rund 0,9 m über NHN. Eine Sturmflut beginnt dort also ab etwa 2,4 m NHN. Was die Abkürzungen bedeuten, erklärt der Artikel Tidenhub, Pegelnull, NHN.

Wie entsteht eine Sturmflut?

Drei Dinge kommen zusammen:

  1. Windstau. Ein kräftiger Sturm aus West oder Nordwest schiebt über viele Stunden Wasser über die Nordsee in die Deutsche Bucht. Die ist wie eine Ecke – das Wasser kann nicht ausweichen und staut sich an der Küste auf.
  2. Die Gezeiten. Fällt der Höhepunkt des Windstaus auf ein Hochwasser, addieren sich beide. Bei einer Springtide wird es noch einmal höher.
  3. Fernwellen und Luftdruck. Ein tiefer Luftdruck hebt den Meeresspiegel zusätzlich an, und manchmal laufen aus dem Atlantik zusätzliche Wellen in die Nordsee ein.

Gefährlich wird es vor allem, wenn ein Sturm mehrere Hochwasser hintereinander anhält. Im Februar 2020 zum Beispiel lief das Wasser am Pegel List innerhalb von drei Tagen viermal über die Sturmflutgrenze.

Was passiert auf Sylt bei einer Sturmflut?

Sylt hat an der Westküste keinen Deich – hier schützen Strand und Dünen die Insel. Bei einer Sturmflut rollt die Brandung bis an den Dünenfuß und reißt Sand heraus. Es entstehen steile Abbruchkanten, manchmal mehrere Meter hoch.

Wie stark das ausfallen kann, zeigen die Zahlen des Landes Schleswig-Holstein für die rund 36 Kilometer lange Westküste:

SturmflutDünenabbrüche an der Westküste
Dezember 201614,1 km – etwa ein Drittel der Küste
Februar 202012,4 km
Januar 202410,8 km
Februar 20228,1 km
November 20155,1 km

Besonders betroffen ist die Südspitze bei Hörnum: Allein zwischen August 2015 und Dezember 2016 gingen dort rund 4,9 Hektar Fläche verloren. Damit die Insel diesen Sand nicht dauerhaft verliert, wird jedes Jahr neuer Sand aufgespült – mehr dazu im Artikel Sylt verliert Sand.

Auf der Ostseite schützen Deiche die Marsch, etwa bei Morsum und am Rantumbecken. Dort steigt das Wasser bei Sturmflut über die Salzwiesen bis an den Deich.

Wie hoch waren die schwersten Sturmfluten?

Der höchste Wasserstand am Pegel List seit 1900 wurde am 24. November 1981 gemessen: 4,05 m über NHN – gut drei Meter über dem mittleren Hochwasser. Die großen Sturmfluten von 1962 und 1976 lagen knapp darunter. Die ganze Geschichte – von der Groten Mandränke 1362 bis zu „Zoltan“ 2023 – steht im Artikel Die schwersten Sturmfluten auf Sylt.

Die höchsten Sturmfluten am Pegel List-Hafen – Scheitelwasserstand in Metern über Normalhöhennull (NHN)
  1. 24.11.1981Höchster Wasserstand seit 19004,05 m
  2. 03.01.1976Orkan „Capella“3,94 m
  3. 16.02.1962Orkan „Vincinette“3,65 m
  4. 03.12.1999Orkan „Anatol“3,61 m
  5. 19.02.2022Sturmtief „Zeynep“3,18 m
  6. 14.11.20153,00 m
  7. 27.12.20162,99 m
  8. 10.02.2020Sturmtief „Sabine“2,99 m
  9. 22.12.2023Sturmtief „Zoltan“2,74 m

Quelle: Fachplan Küstenschutz Sylt, Land Schleswig-Holstein (LKN.SH). Linien: Einteilung des BSH, gemessen ab mittlerem Hochwasser (rund 0,88 m NHN in List).

Wo finde ich Sturmflutwarnungen?

  • Das BSH veröffentlicht Wasserstandsvorhersagen und Sturmflutwarnungen für die Nordseeküste auf wasserstand.bsh.de.
  • TIDE. zeigt dir die Vorhersage des BSH für die nächsten Tage. Weicht sie deutlich von der astronomischen Gezeit ab, erscheint in der App ein Hinweis. Den Vorhersagetext des BSH findest du unter „Die Daten dahinter“.
  • Achte vor Ort auf Durchsagen und Absperrungen. Bei Sturmflut sind Strände und Dünenübergänge oft gesperrt – aus gutem Grund.

Kurz zusammengefasst

  • Sturmflut = Hochwasser mindestens 1,5 m über dem mittleren Hochwasser.
  • Ursache ist vor allem Windstau durch Sturm aus West bis Nordwest, verstärkt durch Springtide.
  • Auf Sylt fangen Strand und Dünen die Wucht ab – und verlieren dabei Sand.
  • Rekord am Pegel List seit 1900: 4,05 m NHN am 24.11.1981.

Quellen