Gezeiten verstehen

Tidenhub, Pegelnull, NHN: Gezeiten-Begriffe einfach erklärt

Wer sich mit Gezeiten beschäftigt, stolpert schnell über Abkürzungen: PNP, NHN, MHW, MTnw. Und dann steht in einer Quelle, das Wasser sei „4,43 m hoch“, in einer anderen „−0,58 m“ – zur selben Zeit am selben Ort. Beides kann stimmen. Hier die wichtigsten Begriffe, mit echten Werten aus Westerland.

Tidenhub

Der Tidenhub ist der Höhenunterschied zwischen einem Niedrigwasser und dem folgenden Hochwasser. Kurz: Wie viel steigt das Wasser bei einer Flut?

In Westerland liegt der mittlere Tidenhub bei 1,81 m (BSH, 2026). Bei Springtide sind es rund 2,04 m, bei Nipptide nur 1,49 m. Auf Sylt ist der Tidenhub im Süden größer als im Norden – die Werte für alle Orte stehen im Ortsvergleich.

Zum Vergleich: An der Ostsee gibt es praktisch keinen Tidenhub, er liegt meist bei wenigen Zentimetern.

Pegelnull (PNP)

Ein Pegel ist eine Messstelle für den Wasserstand. Jeder Pegel hat einen eigenen Nullpunkt, den Pegelnullpunkt (PNP). Er wird bewusst so tief gelegt, dass der Wasserstand praktisch nie darunter fällt – so gibt es im Alltag keine negativen Werte.

An den Pegeln auf Sylt liegt der Pegelnullpunkt rund 5 Meter unter NHN (in Westerland genau 5,01 m). Ein Wasserstand von „443 cm“ am Pegel bedeutet also: 4,43 m über dem Pegelnullpunkt.

NHN – Normalhöhennull

NHN ist die amtliche Bezugshöhe in Deutschland – die „Höhe über dem Meeresspiegel“, die du auch von Landkarten und Berggipfeln kennst. Sie hat das ältere NN (Normalnull) abgelöst; die Unterschiede liegen meist im Zentimeterbereich.

Wenn TIDE. Höhen in Metern angibt, beziehen sie sich auf NHN. Darum steht dort zum Beispiel „−0,58 m“ für ein Niedrigwasser: Das Wasser liegt 58 Zentimeter unter Normalhöhennull. Rechnung: 4,43 m (über Pegelnull) − 5,01 m (Pegelnull unter NHN) = −0,58 m NHN.

MHW und MNW – mittleres Hoch- und Niedrigwasser

Das mittlere Hochwasser (MHW) ist der Durchschnitt aller Hochwasser über einen längeren Zeitraum, das mittlere Niedrigwasser (MNW) entsprechend der aller Niedrigwasser. In Fachtexten liest du oft auch MThw und MTnw – das „T“ steht für Tide, gemeint ist dasselbe.

Für Westerland gibt das BSH für 2026 an:

über Pegelnullüber NHN
Mittleres Hochwasser (MHW)5,94 m+0,93 m
Mittleres Niedrigwasser (MNW)4,13 m−0,88 m
Mittlerer Tidenhub1,81 m

Diese Werte sind wichtig, weil viele andere Angaben sich darauf beziehen – zum Beispiel die Einteilung von Sturmfluten: Eine Sturmflut beginnt, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasser aufläuft.

Astronomische Tide, Vorhersage, Messung

TIDE. unterscheidet drei Arten von Wasserstand:

  • Astronomisch berechnet: Die reine Gezeitenrechnung aus Mond und Sonne. Sie lässt sich Jahre im Voraus erstellen, kennt aber keinen Wind.
  • Vorhersage: Die Wasserstandsvorhersage des BSH für die nächsten Tage. Sie bezieht Wind und Luftdruck ein.
  • Gemessen: Der echte Wert vom Pegel – auf Sylt in List und Hörnum.

Weicht die Messung von der Berechnung ab, spricht man von Windstau (Wasser höher) oder Windsunk (Wasser niedriger).

Weitere Begriffe kurz erklärt

  • Stauwasser (auch Stillwasser): die kurze Zeit rund um Hoch- oder Niedrigwasser, in der sich das Wasser kaum bewegt.
  • Tidenstieg / Tidenfall: wie viel das Wasser bei Flut steigt bzw. bei Ebbe fällt.
  • Priel: eine Rinne im Watt, durch die das Wasser zu- und abläuft. Priele füllen sich bei Flut zuerst – deshalb sind sie beim Wattwandern gefährlich.
  • Gezeitenstrom: die waagerechte Bewegung des Wassers. Flutstrom läuft auf die Küste zu, Ebbstrom von ihr weg.

Quellen